Quo vadis Seniorenhaus Bethanien
Wie geht es weiter mit der Altenpflege in Schaafheim
Zum Gespräch sind Daniel Rauschenberger, Bürgermeister der Gemeinde Schaafheim, Tom Best, Vorstandsvorsitzender des Christlichen Sozialwerks Harreshausen e.V. und Silke Doherty, Leitung der gemeinnützigen Seniorenzentrum Bethesda GmbH gekommen.
Interviewerin: Herr Rauschenberger, seit 2023 findet im Seniorenhaus Bethanien keine Altenpflege mehr statt. Wie sind Ihre Pläne, die Pläne der Gemeinde?
Rauschenberger: Das Christliche Sozialwerk betreibt in der Wilhelmstraße eine Tagespflege, die sehr gut angenommen wird. Dort wird sehr viel Gutes geleistet. Vor allem wird sichergestellt, dass auch Menschen im hohen Alter soziale Kontakte haben und nicht vereinsamen. Gleichzeitig entlastet dieses Angebot die Angehörigen spürbar. Bei meinen vielen Besuchen anlässlich von Geburtstagsjubiläen bekomme ich das immer wieder direkt mit – und höre durchweg sehr positive Rückmeldungen.
Es ist mir ein großes Anliegen, dass Menschen im Alter möglichst lange in ihrem gewohnten Wohnumfeld und im Kreis ihrer Angehörigen bleiben können. Das gelingt leider nicht immer. Umso wichtiger ist ein gutes, abgestuftes Angebot vor Ort.
Mit dem Seniorenwohnen im Haus Bethanien in Schaafheim, das 2023 von der Pflegekasse jäh beendet wurde, haben wir einen wichtigen Baustein in dieser Versorgung verloren. Umso wichtiger ist es jetzt, dass wir im Seniorenhaus Bethanien wieder einen Einstieg in die lokale Versorgung schaffen – zumindest in einem ersten Schritt.
In diesem Zusammenhang ist mir auch wichtig zu betonen: Das Christliche Sozialwerk ist auch nach der Beendigung des Betriebs ein verlässlicher Partner der Gemeinde geblieben. Es ist weiterhin Erbbaurechtsnehmer des gemeindlichen Grundstücks, auf dem das Haus Bethanien steht – und damit eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung dieses Standorts. Den Baustein Tagespflege hatte ich bereits eingangs erwähnt.
Dabei waren wir in Schaafheim bereits auf einem guten Weg, das Angebot weiter auszubauen: Mit dem Spatenstich für betreutes Wohnen und eine stationäre Einrichtung im Heerweg gemeinsam mit der wob Immobilien wollten wir ein zusätzliches Angebot schaffen. Auch in der Großostheimer Straße – gegenüber dem REWE-Markt – waren die Planungen für barrierefreie Seniorenwohnungen mit angeschlossener Arztpraxis bereits weit fortgeschritten.
Leider haben sich die Rahmenbedingungen dann massiv verändert. Steigende Zinsen, deutlich gestiegene Baupreise infolge des Ukraine-Kriegs und veränderte Förderbedingungen – insbesondere bei der KfW – haben diese Projekte wirtschaftlich ausgebremst und letztlich auf Eis gelegt.
Interviewerin: Als Eigentümer des Seniorenhauses mussten Sie, Herr Best, die Einrichtung praktisch über Nacht schließen. Können Sie das kurz erläutern?
Best: Über die Anfeindungen und Beschuldigungen durch die Pflegekassen möchte ich hier nichts weiter ausführen. Es war für uns alle eine sehr schwere Zeit. Die Kunden waren sehr zufrieden mit uns und die Qualitätsprüfungen waren Jahr für Jahr besser geworden. Umso überraschender kam das Aus. Ca. einhundert pflegebedürftige Kunden, ein Teil davon im Seniorenhaus, verloren innerhalb einer kurzen Frist ihre Versorgung. Ca. 50 Mitarbeitende mussten sich neue Arbeitgeber suchen. Dennoch hat das Sozialwerk die Firma nicht in die Insolvenz geschickt, sondern alle Verträge bis zum letzten Tag erfüllt. Im Oktober 2025 haben wir die letzten Leasingraten für die Geschäftsfahrzeuge bezahlt, die bereits angeschafft waren.
Interviewerin: Gibt es die Bethesda mobile Pflege nicht mehr?
Best: Nein. Die Mobile Pflege und die innovative Bethesda Teams wurden auf die Seniorenzentrum Bethesda GmbH verschmolzen. Das heißt, die Firmen sind nicht erloschen, sondern in einer einzigen Gesellschaft aufgegangen. Deshalb gehört die Villa Bethesda in Schaafheim nun auch zur gemeinnützigen Seniorenzentrum Bethesda GmbH.
Interviewerin: Mit der Villa Bethesda bringe ich Sie, Frau Doherty in Verbindung. Was ist heute Ihre Funktion?
Doherty: Im September 2008 durfte ich mitwirken, das Seniorenhaus Bethanien mit seinen vier Wohngruppen zu eröffnen. Ein großartiges Konzept. Schon nach drei Monaten war das Haus mit Leben gefüllt und alle Zimmer belegt. 2014 wurde es dann ambulantisiert.
Ich übernahm 2018 als Pflegedienstleitung die Tagespflege Villa Bethesda, unsere Tagespflege hier in Schaafheim. Letztes Jahr im Juni wurde mir dann die Position als Einrichtungsleitung in Seniorenzentrum Bethesda angeboten und ich habe die Herausforderung angenommen. Ich wirke nun in der Pflegeeinrichtung und in der Servicegesellschaft, um die Angebote zu sichern und voranzubringen. Mir lag das Seniorenzentrum schon in zu meiner Anfangszeit dort, 1999, sehr am Herzen und ich bin immer darauf bedacht, dass es weiter geht. So ist es mein größter Wunsch das Seniorenhaus Bethanien wieder zu öffnen.
Interviewerin: Der Bürgermeister hat vorhin geschildert, dass die Gemeinde gerne wieder eine eigene Versorgung für ihre Senioren im Ort haben möchte. Wäre das Seniorenhaus nicht der richtige Platz dafür?
Best: Ja absolut. Das Seniorenhaus Bethanien war ja mit diesem besonderen Konzept der ambulant versorgten Wohngemeinschaften entwickelt worden. Die Nutzung heute mit zwei Intensivpflege-Wohngemeinschaften der Firma Carolinas ist ok. Die beiden anderen WG warten darauf wach geküsst zu werden. Dort leben z.Zt. noch einige Geflüchtete aus der Ukraine, die aber inzwischen auch auf den regulären Wohnungsmarkt umziehen könnten. Mittelfristig stehen diese Räume also wieder zur Verfügung. Das Sozialwerk als Vermieter ist an einer guten sozialen Nutzung für Senioren sehr interessiert.
Doherty: Wir haben den Plan die Wohngruppen wieder zu eröffnen. Unser Konzept sieht ein pauschales Angebot vor. Die hochbetagten Menschen leben in einer kleinen Gemeinschaft zusammen, welche eine Begleitung den Tag über in der Gruppe hat. Zusätzlich soll unser ambulanter Dienst wie zuhause auch die Versorgung übernehmen. Weitere Kunden wollen wir in Schaafheim und Umgebung versorgen. Aus vielen Gesprächen wissen wir, dass sich die Menschen ein solches Angebot sehr wünschen.
Interviewerin: Wenn es also wieder eine pflegerische Betreuung wie vor vier Jahren geben soll, was muss dafür geschehen?
Doherty: Wir müssen vor dem Neustart einen ambulanten Dienst gründen, für den wir derzeit unter dem Namen Bethesdacare Personal suchen. Damit könnten wir dann neu starten, mit neuen Mitarbeiten gemeinsam Leben in den Dienst bringen. Wir brauchen kompetente, flexible, innovative Pflegekräfte, die mit uns gemeinsam das gleiche Ziel verfolgen: den Menschen gute Versorgung bieten. Der Bedarf ist groß und viele Menschen begrüßen es, wenn sie ein Zuhause finden und dort umfassend versorgt werden. Bethanien war dafür ein gutes Konzept, an welchem wir uns immer noch ein Beispiel nehmen.
Interviewerin: Herr Best, kann denn das Sozialwerk das leisten?
Best: Das Sozialwerk hat schwere Jahre der Konsolidierung hinter sich. Der Vorstand hat mit viel Gottvertrauen die Arbeit aufrechterhalten und die Leitungskräfte unterstützt und gestärkt. Das Tal ist definitiv durchschritten. Inzwischen können wir sagen, dass wir uns eine Expansion – insbesondere in so ein angestammtes Herzensprojekt – wieder zutrauen.
Doherty: Eigentlich haben wir ja alle Voraussetzungen. Büroräume, die Software und das Personalbüro sind vorhanden. In Buchhaltung und Abrechnung kennen wir uns aus.
Es fehlt uns derzeit leider an fachlicher Expertise im ambulanten Bereich. Deshalb suchen wir aktiv nach einer Pflegedienstleitung mit Erfahrung und dem Interesse mit uns ihren „eigenen Dienst“ aufzubauen. Etwas Ehrgeiz gehört dazu. Natürlich brauchen wir dann auch noch drei examinierte Pflegefachkräfte, zum Beispiel aus der Krankenpflege und einige Hilfskräfte brauchen wir auch noch. Da wir mehr als das durchschnittliche Entgelt bezahlen, sollten wir Menschen begeistern können, bei uns mitzumachen.
Best: Wir wollen gerne so schnell, wie möglich starten. Vielleicht können wir dann schon zum Jahreswechsel 2026/27 die Wohngemeinschaften wieder aufmachen.
Interviewerin: Herr Rauschenberger, wie schätzen Sie denn die Stimmung in der Bevölkerung ein? Was könnte eine solche Reaktivierung für die Menschen bedeuten?
Rauschenberger: Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung sind sehr eindeutig: Der Wunsch nach wohnortnaher Versorgung, nach Verlässlichkeit und nach würdevollen Angeboten im Alter ist groß. Viele Menschen haben die Entwicklung rund um das Seniorenhaus Bethanien sehr aufmerksam verfolgt und verbinden damit auch persönliche Erfahrungen.
Eine Reaktivierung – auch in Teilen – würde für viele Menschen ein Stück Sicherheit zurückbringen. Für die Betroffenen selbst, aber auch für ihre Familien. Es geht dabei nicht nur um Pflege, sondern auch um Lebensqualität, Nähe und das Gefühl, im Alter gut aufgehoben zu sein.
Für mich ist klar: Wir werden diesen Weg konstruktiv begleiten und unterstützen. Denn wir brauchen dringend wieder ein Wohnangebot für Pflege und Betreuung hier bei uns in Schaafheim.

