Der Bürgermeister informiert

Bürgermeister-Info

Liebe Bürgerinnen und Bürger.

Die Aufstellung unseres Gemeindehaushalts für das Jahr 2027 stellt uns vor große Herausforderungen. Besonders die stark gestiegenen Kosten für Pflichtaufgaben wie die Kinderbetreuung und die Kreis- und Schulumlage schränken unseren finanziellen Handlungsspielraum zunehmend ein. Deshalb möchte ich heute eine Entscheidung erläutern, die viele Bürgerinnen und Bürger unmittelbar oder mittelbar betrifft: den Vorschlag, die Grundsteuer B im kommenden Jahr anzuheben.

Haushalt 2027: Warum die Grundsteuer B steigen soll

Der Gemeindevorstand schlägt vor, die Grundsteuer B im kommenden Jahr von derzeit 383 auf 750 Hebesatzpunkte anzuheben. Mir ist bewusst, dass dies für viele Grundstückseigentümer und mittelbar auch für Mieter eine zusätzliche finanzielle Belastung bedeutet.

Deshalb möchte ich Ihnen erläutern, warum wir diese Erhöhung für notwendig halten, wie sich die Ausgaben unserer Gemeinde entwickelt haben und wie Schaafheim im Vergleich zu anderen Kommunen dasteht.

Ein Blick zurück: Was hat sich seit 2023 verändert?

Zuletzt wurde die Grundsteuer B in Schaafheim im Jahr 2023 erhöht, damals von 400 auf 500 Hebesatzpunkte. Mit der Grundsteuerreform zum 1. Januar 2025 wurde der Hebesatz auf 383 Punkte gesenkt. Diese Umstellung erfolgte aufkommensneutral. Die Gemeinde sollte durch die Reform insgesamt nicht mehr Grundsteuer einnehmen als zuvor.

Um die heutige finanzielle Situation einzuordnen, lohnt sich deshalb ein Vergleich mit dem Jahr 2023.

Damals nahm die Gemeinde rund 1,21 Millionen Euro aus der Grundsteuer B ein. Für 2027 rechnen wir nach der vorgeschlagenen Erhöhung mit rund 2,35 Millionen Euro. Das wären rund 1,14 Millionen Euro mehr als 2023. Gleichzeitig sind allerdings wichtige Ausgaben unserer Gemeinde erheblich gestiegen.

Kreis- und Schulumlage: Rund 1,45 Millionen Euro mehr

Einen großen Teil unserer Einnahmen muss die Gemeinde an den Landkreis Darmstadt-Dieburg abführen. Mit der Kreis- und Schulumlage werden unter anderem Aufgaben des Landkreises und die Schulen finanziert.

Im Jahr 2023 zahlte Schaafheim dafür insgesamt rund 8,25 Millionen Euro. Für 2027 müssen wir bereits rund 9,7 Millionen Euro einplanen. Das sind rund 1,45 Millionen Euro mehr innerhalb von vier Jahren. Geld, das unserer Gemeinde nicht mehr für ihre eigenen Aufgaben zur Verfügung steht.

Kinderbetreuung: Rund 2 Millionen Euro mehr

Noch deutlicher ist die Entwicklung im Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Den mit Abstand größten Anteil daran haben unsere Kindertagesstätten.

Im Jahr 2023 musste die Gemeinde für diesen Aufgabenbereich rund 2,26 Millionen Euro aus allgemeinen Haushaltsmitteln zuschießen. Für 2027 rechnen wir mit rund 4,24 Millionen Euro. Das bedeutet einen Anstieg um rund 1,98 Millionen Euro beziehungsweise 87 Prozent innerhalb von vier Jahren.

Die Kinderbetreuung gehört damit zu den größten finanziellen Herausforderungen unserer Gemeinde. Wir stellen Betreuungsplätze bereit, unterhalten unsere Einrichtungen und tragen einen erheblichen Teil der laufenden Kosten. Die Elternbeiträge und die Zuschüsse des Landes reichen bei Weitem nicht aus, um diese Ausgaben zu decken.

Was bedeutet das für unseren Haushalt?

Allein die Kreis- und Schulumlage sowie die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe belasten unseren Gemeindehaushalt im Jahr 2027 voraussichtlich mit rund 3,43 Millionen Euro mehr als noch 2023. Dem stehen zusätzliche Einnahmen aus der Grundsteuer B von rund 1,14 Millionen Euro gegenüber.

Das zeigt: Selbst die geplante Grundsteuererhöhung reicht bei Weitem nicht aus, um allein die seit 2023 gestiegenen Belastungen dieser beiden großen Aufgabenbereiche auszugleichen.

Hinzu kommen weitere Ausgaben, beispielsweise für die Unterhaltung unserer Straßen und Gebäude, die Feuerwehr, die Abwasserbeseitigung sowie steigende Zinsen und Abschreibungen.

Und trotz der vorgesehenen Steuererhöhung weist der Haushaltsentwurf für 2027 weiterhin einen Fehlbetrag von rund 635.000 Euro aus. Die Gemeinde plant also nach wie vor mit höheren Aufwendungen als Erträgen.

Wie steht Schaafheim im Kreisvergleich da?

Ein Blick auf die 23 Städte und Gemeinden im Landkreis Darmstadt-Dieburg zeigt, dass Schaafheim mit seinem derzeitigen Hebesatz von 383 Punkten vergleichsweise niedrig liegt.

Der durchschnittliche Hebesatz im Landkreis beträgt 2026 rund 760 Punkte. Zwölf Kommunen liegen unter 750 Punkten, elf darüber. Mit den vorgeschlagenen 750 Punkten würde Schaafheim somit knapp unter dem derzeitigen Kreisdurchschnitt liegen.

Dabei ist wichtig zu wissen: Der Hebesatz allein sagt noch nichts über die tatsächliche Steuerbelastung eines Grundstücks aus. Diese hängt auch vom Grundsteuermessbetrag ab, den das Finanzamt festsetzt.

Warum wir diesen Schritt für notwendig halten

Unsere Gemeinde muss ihre Pflichtaufgaben zuverlässig erfüllen und gleichzeitig wichtige Einrichtungen und Angebote für die Bürger erhalten. Dazu gehören insbesondere unsere Kindertagesstätten, die Feuerwehr, Straßen, öffentliche Gebäude und zahlreiche weitere Leistungen.

Die finanziellen Spielräume werden dabei immer enger. Schon heute müssen wir bei vielen Ausgaben sparen, Investitionen verschieben und Prioritäten setzen.

Niemand zahlt gerne höhere Steuern. Das verstehe ich sehr gut. Auch für den Gemeindevorstand ist dieser Vorschlag keine leichte Entscheidung.

Mir ist aber wichtig, die Hintergründe offen und nachvollziehbar darzustellen. Die Zahlen zeigen, dass es nicht um die Finanzierung neuer Wünsche geht, sondern vor allem darum, die erheblich gestiegenen Kosten unserer bestehenden Aufgaben zu bewältigen.

Auch die mittelfristige Finanzplanung sieht weitere Erhöhungen der Grundsteuer B vor: auf 800 Punkte im Jahr 2028 und 900 Punkte ab 2029. Dabei handelt es sich zunächst um Planungsannahmen und nicht um bereits beschlossene Steuererhöhungen.

Die vorgeschlagene Erhöhung für 2027 soll dazu beitragen, die finanzielle Handlungsfähigkeit Schaafheims auch in den kommenden Jahren zu sichern.

Wer sich näher mit den Zahlen beschäftigen möchte, kann den vollständigen Haushaltsentwurf 2027 auf der Internetseite der Gemeinde Schaafheim unter www.schaafheim.de/sicherheit-ordnung-finanzen/haushalt-finanzen/ einsehen.

Ihr Bürgermeister

Daniel Rauschenberger